Airsoft Initiative Deutschland - AID

Die sportlichen Facetten des Airsoft als regulären Sport anzuerkennen und Informationen zu verteilen.

Die Airsoft Initiative Deutschland (kurz: AID) ist eine Gemeinschaft von engagierten Spielern und Händlern, mit dem Ziel, Unbeteiligten die Information über Airsoft abseits der Massenmedien zu erlauben und eine sachliche Diskussion über das Hobby Airsoft zu ermöglichen.

Krieg spielen, ein modernes Hobby?

Sieht man heute Berichte über Extremsportarten wie Airsoft oder Paintball, werden oft Stimmen laut, die im Brustton der Überzeugung verlauten lasen "Sowas hats ja früher nicht gegeben!". Stimmt das wirklich? Hat es das früher nicht gegeben?
Dem wollen wir mal auf die Spur gehen.

Vorwort:

Meine Wenigkeit, der Autor dieses Artikels, ist Jahrgang 76, verheiratet und Vater. Ich bin seit ca 12 Jahren mit der Paintball und Airsoftszene im Kontakt und aktiv und arbeite derzeit als Berater und Designer milit. Bekleidung und Ausrüstung. Hobbymäßig arbeite ich u.a im musealen Umfeld, an Museeumsbelebungen und anderen hist. orientierten Events mit. Man könnte dies als Gratwanderung zwischen Reenactment und Experimentalarchäologie bezeichnen.

Ein kurzer Blick zurück…

Erinnere ich mich an meine Jugend zurück gibt es ein Erlebnis, das mir in Erinnerung geblieben ist: Die Erstausstrahlung des Mehrteilers Shogun. Wegen der für damalige Verhältnisse recht drastischen Gewaltdarstellung durfte ich Ihn nicht sehen. Was im Kindergarten bedeutete, nicht zu begreifen warum sich die anderen mit Linealen duellierten.
Woraufhin ich dann heimlich zuschaute, als meine Eltern guckten. Und ich wusste nicht so recht was daran schlimm war. Eher fand ich die Handlung damals tröge und doof. Aber ansonsten waren mir Filme wie Ivanhoe, Robin Hood oder auch diverse "Monumentalschinken" lieber. Auch hier purzelten die Menschen scharenweise von Leitern, Mauern, oder sanken einfach zu Boden.
Die waren dann tot. Das wusste ich. Ich wusste auch was tot war, denn das war mein Opa auch seit kurzen. Der war da oben im Himmel. Für meinen Opa soll das angeblich toll gewesen sein, ich müsse mir keine Sorgen machen, sagten alle, also muss es für die Leute da im Film auch nix schlimmes sein. Dachte ich mir damals…

Krieg spielen…

Ebenso ungetrübt wie es in den Filmen zuging, spielten wir die Schlachten dann nach, mit unseren Playmobil Indianern und Lego Rittern. Natürlich starben da auch reihenweise die Bösen!
Also die, die wir gerade als böse auserkoren. Bisher konnte noch nie wer einer Lego-Figur ein böses Gen nachweisen. Also mussten wir bestimmen, wer leben durfte und wer starb. Hinterher wanderten ja alle wieder in die Box! Und da waren wir in guter Gesellschaft! Vor einigen Hundert Jahren herrschte in Europa Krieg. Und wer es sich leisten konnte spielte Krieg. Mit Zinnfiguren und Holzhütten wurden die Schlachten von Napoleon, Wellington und dem alten Fritz nachgespielt.
Und wer sich das nicht leisten konnte, bastelte sich seine Figuren aus Ton, wie es Funde in Klärgruben des hohen Mittelalters zeigten. Auch in Hedeby (Haithabu an der Schlei) fand man Soldaten, aus Knochen geschnitzt. Im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg stehen Rüstungen für Kindersoldaten und Waffen für Kinder.

Gewaltsport…

Jahaaa! Aber das sind ja nur Spielsachen! Figuren und so! Mit Waffennachbildungen auf andere losgehen ist ja was ganz was anderes!
Oder etwa doch nicht? Denn kaum war der Sommer aus den Kinderschuhen gestiegen, tummelten wir uns im Stadtwald und im Park. Da wurden Hütten gebaut, ganze Burgen entstanden und man führte Krieg. Indianer gegen Kavallerie, wie im John Wayne Western (frei ab 12 Jahren). Oder Ritter gegen Wikinger, wie in Prinz Eisenherz (Ein Klassiker der Jugendliteratur). Gut, das mag jetzt gerade mal 20 Jahre her sein, früher gabs sowas ja nicht, mögen Sie jetzt denken.
Sicher?
Falsch!
Im Museum von Trondheim sind die Relikte dieser vergangenen Tage ausgestellt. Lang und Kurzwaffe würde man sie heute nennen, oder Primary und Secondary auf denglish. Damals hießen sie Schwert und Lanze, Hiebmesser und Bogen. Die ausgestellten Kriegsspielzeuge entstanden im 12. Jahrhundert, während ein Bürgerkrieg in Norwegen wütete. Und die Kinder spielten nach, was Ihnen die Erwachsenen vor den Toren der Stadt zeigten!

Ein Kriegsspiel namens…

In der skandinavischen Eisenzeit, in England auch als The Dark Age - Das dunkle Zeitalter, bei uns auch als die Wikingerzeit bekannt, spielten Kinder mit den Erwachsenen zusammen Kubb. Ein einfaches Geschicklichkeitsspiel, bei dem mit Stöcken die Holzsoldaten des Gegners ausgeschaltet werden mussten, ehe man auf den König selbst zielen durfte. Die Spieler selbst symbolisierten die Bogenschützen, die hinter dem Skjaldborg, dem Schildwall, standen. Es war ein lustiges Spiel, bei denen sich die gegnerischen Reihen anfeuerten und bei Fehlschüssen verspotteten. Im Oktober 1066 wurde dieses Spiel in England gespielt. Nach 3 Runden waren die Holzsoldaten der englischen Mannschaft am Boden zerstört, ihr König fiel. Doch es waren keine Holzsoldaten. Es waren die anglo-sächsischen Husceorls des Königs Harald des Zweiten, die im Pfeilhagel der normannischen Bogenschützen fielen und es war Harold, der König Englands, der durch einen Pfeil im Auge fiel und einen elenden Tot starb. Aus Spiel wurde ernst…
Doch das Spiel Kubb blieb immer noch beliebt. Seine Regeln wurde modifiziert und verändert, und durch die Jahrhunderte weitergespielt, während die Erwachsenen echte Kriege führten. Als gegen Ende des Mittelalters die Feuerwaffen aufkamen und die Nahkämpfer des Skjaldborgs aus der Mode kamen, wurden die Pfeile durch die Geschosse der neuen Feuerwaffen, einer Kugel, ersetzt. Diese war weich, man konnte damit auf Menschen werfen. Und während sich in den Liniengefechten Europas tausende junger Männer Blei in Ihre Körper jagten, spielten die Kinder daheim Kubb. Doch es hiess jetzt nicht mehr Kubb, es hiess nun…
…Völkerball.  Haben Sie sicher auch schon mal gehört! Vielleicht auch schonmal gespielt? Wilkommen in der berüchtigten Szene der Killerspiel-Spieler. Völkerball reiht sich nahtlos ein in die Rige der verharmlosten, gesellschaftlich anerkannten Kriegsspiele, wie Risiko und Schach

Reale Vorbilder…

Doch heute sind wir aufgeklärt, wir wissen was da draußen in der Welt passiert. Nicht erst seit Peter-Scholl-Latour sehen wir was Kriege in der Welt anrichten. Da kann man ja nicht auch noch sowas in der Freizeit tun! Schon gar nicht als Jugendlicher Mensch! Nun, als Kind hatte ich auch keine Plastiksoldaten. Die fanden meine Eltern nicht gut. Sie hatten den Krieg noch miterlebt, wollten daher, dass ich nicht mit sowas spiele. Aber ich hatte Playmobil! Die Cowboys und Indianer. Die sahen auch fast so aus, wie die in den Filmen mit John Wayne! Irgendwann einmal, da war ich schon älter und hab schon nicht mehr mit den Figuren gespielt hab kam ein Western im Fernsehen. Den hab ich mir angesehen. Das Wiegenlied vom Totschlag war der Titel des Filmes! Da waren auch Soldaten und Indianer. Die Soldaten schlitzten schwangere Frauen auf, rissen Männern die Arme aus und erschlugen damit die Frauen und ihre Kinder. Ich war geschockt, konnte nicht schlafen nach diesen Bildern. Als ich meinem Vater davon erzählte, dass das ja ein Horrorfilm war, gab er mir ein Buch. Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses. Das war kein Roman, das waren Überlieferungen, und mir wurde klar, dass das alles wirklich passierte. Ich fing an zu nachzuforschen, und fand andere Sachen. Bilder von Tabaksbeuteln aus Hoden und Gebärmüttern. Postkarten mit den Helden vom Sand Creek.
Und ich fand Spielzeugindianer und Soldaten, aus dem 19ten Jahrhundert. Aber ich sehe keine Proteste gegen Playmobil in den Medien, keine Proteste gegen John Wayne Sondersendungen auf ARTE, keine Flammenden Reden gegen die Spielzeugindustrie…

Die Realität…

Menschen haben Krieg gespielt, seit es Krieg gibt! Angefangen bei den Spartanern, dem weströmischen Reich über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit hat Kriegsspielzeug und kriegerische Spiele das Volk unterhalten, während an den Fronten Krieg geführt wurde. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges nahm die Toleranz gegen Kriegsspielzeug enorm ab. Die geführten Kriege aber nicht im mindesten. Den Menschen des Mittelalters kann man zugute halten, dass sie nicht wussten, was da draußen an der Front passierte.
Aber wir wissen es. Mehr als uns lieb ist! Daher verdrängen wir es, wo immer es auch geht. Dementsprechend reagieren wir auch darauf, wenn uns diese Realität vor Augen geführt wird:
Krieg wird nur solange nachgespielt, wie er von den Großen vorgemacht wird! Kinder spielen Krieg, weil die Erwachsenen es , was aber nicht bedeutet, dass sie den Krieg als Erwachsene dann bejahen!

Unsere Nachbarn…

Deutschland hat, was das Kriegsspielzeug angeht, mit das strikteste Waffengesetz Europas. Aber wie sieht es im EU bereich sonst aus? In den Niederlanden sind Anscheinswaffen verboten. Nicht wegen den unmittelbaren gefahren, sondern wegen der Verwechslungsgefahr mit echten Waffen. Paintball erfreut sich auch in den Niederlanden grösster Beliebtheit. In Italien ist Airsoft eine anerkannte Sportart, wird sogar staatlich gefördert. In Schweden beteiligen sich teilweise ganze Reservistenverbände an AirSoft Events und auch unsere anderen nachbarländer, wie die Tschechei, österreich, Schweiz und Frankreich sehen das Hobby als...
Hobby! Und trotz des vermeindlich laschen Umgangs mit der Thematik bleiben Schreckensmeldungen wie Emsdetten und Erfurt aus diesen Ländern aus. Seltsam, wo Killerspiele doch angeblich Jugendliche verrohen sollen…

Die Gewalt…

Kriegsspiele fördern Gewalt und Empfindungslosigkeit. Zumindest wollen uns das die Medien wieder und wieder klar machen, wenn wieder ein mal eine arme Seele als letzten Ausweg den Amoklauf wählt. Die simpelsten Computerspiele werden zu Gewaltorgien, mit denen der Täter zur Gewalttat geschult wurde, stilisiert. Und wehe er war Killerspiel-Spieler und besaß gar ein Luftdruckgewehr. Denn das ist an allem Schuld!
Nicht die Perspektivlosigkeit unserer Zeit, die Kommerzialisierung und der Verfall unserer Wertvorstellungen und die Rationalisierungen des Familienlebens!
Das wäre ja auch zu unangenehm, sich das vor Augen zu führen, das ginge uns alle an! So wie Hungersnöte, echte Kriege und der Umweltschutz! Man müsste sich der Frage stellen, was wirklich der Auslöser war…
Dann doch lieber eine abstrakte Randgruppe, die Kriegspieler.
Nur eine Frage drängt sich auf:
Wir wissen von den Essgewohnheiten Luthers, wir kennen die Zitate der Cäsaren, wir lesen die Worte der Apostel. Und wir wissen jetzt: Es wurde immer Krieg gespielt.
Warum finden wir dann in diesen Quellen keine Verweise auf verrohte Jugend? Den einzigen Verweis für eine Bluttat eines Kindes findet man in den isländischen Sagas, und hier war die Anstifterin eine erwachsene Frau, Freydis Eiriksdottir, nahe Verwandte von Erik dem Roten! Warum schreibt Herodot nicht von Kindern, die Mitschülerinnen missbrauchen? Warum berichten Plinius und die Angelsächsische Chronik nicht von Amokläufen? Warum sind auf den Stuttgarter und Uttrechter Psaltern nur erwachsene Soldaten zu sehen, die andere töten, aber keine Kinder und Jugendliche, die auch Krieg gespielt haben? Eine Frage, deren Beantwortung ich jedem selbst überlasse…

Quellen:

Autor: Walter Ruf
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